Gefilteter Sonnenuntergang

Der Weg nach Maria la Gorda hat sich gezogen – zuerst wegen einem nicht endenden Einkauf in Manuel Lazo, wo ich mich bei einem Panamericana Shop anstellte (vor solchen Geschäften steht meistens ein Menschentraube und es dürfen immer nur 5 Menschen gleichzeitig rein – und dann hab ich erst nicht das bekommen, was ich wollte) und einer ewig langen Geraden, wo links und rechts nur Bäume sind und der Straßenbelag ruppig ist, mit Unmengen von Löchern, was zur Folge natürlich kein Rollfeeling hatte.

Aber dann am Meer angekommen – ein Traum. Der Strand ist weiß grobkörnig – bei genauerem Hinschauen sind es Korallenstücke, recht große sind auch dabei – oha, schaut aus wie ein rießiger Korallenfriedhof!? Ist des normal? Wir haben an diesem Strand ca. 7 km vor Maria la Gorda einen super Platz gefunden. Hier wollen wir auch zelten und es wurden sogar zwei Nächte daraus, da es unglaublich ruhig und schön ist – bis auf die üblichen Tiergeräusche halt. Die Unterwasserwelt hat schon hier etwas geboten und wir haben hier zum ersten Mal Pelikane gesehen. Aber hier gibt es auch besonders lästige Cheches und so flüchteten wir schon um 17:00 Uhr ins Zelt und den Sonnenuntergang sahen wir dann moskitonetzgefiltert. Das Schwimmen und Schnorcheln in diesem herrlich klaren Wasser war ein Traum, so dass wir einen Tag nach Maria la Gorda fuhren und dort einen Schnorchelausflug buchten.

Dort gab es dann für uns überraschenderweise super Internet, aber vor allem die Bekanntschaft mit Matthias, einem Reiseradler aus Deutschland, der jetzt in der Schweiz lebt und wir uns vom ersten Moment an supergut verstanden – schade, dass sich unsere Wege am selben Tag wieder trennten (bei der Akkurückgabe wird vieles nachgeholt ;-))! So, wir wollen jetzt noch schnell nach La Bajada radeln, denn dort gibt es für uns eine supergünstige CP mit gutem Essen. Wir sind etwas spät gestartet und so kamen wir in die Dämmerung und hatten unerwünschten Kontakt mit Cheches. Das Zimmer war dann auch nicht mehr frei und so wurde uns ganz hinten im Dorf was angeboten – was es genau war, weiß ich heute noch nicht – wir schliefen lieber im Zelt vorm Haus. Das Abendessen und das Frühstück war dafür super – möcht euch aber nicht die Küche zeigen, wo es zubereitet wurde – und so konnten wir gut gestärkt nach Pinar del Rio starten.

Dorthin ließen wir uns von einem Taxi bringen, da wir ja den Großteil der Strecke mit dem Bike gefahren sind und wir uns entschlossen haben mit den Öfis so weit wie möglich nach Osten zu kommen, damit wir wieder in Richtung Westen mit Rückenwind unterwegs sein können. Die Fahrt nach Pinar gab mir das Gefühl in einer Zeitmaschine zu sitzen. Unser Taxifahrer, wieder ein Ariel – diesmal Testosteron pur, zumindest wie er mit seinem Auto fuhr. Alles zischte so schnell an uns vorbei, dass ich mich eigentlich auf das Bike sehnte. In Pinar waren wir mal froh die Fahrt unbeschadet und ohne Verletzung anderer und ohne Panne angekommen zu sein – de rauschen da dahin auf de grindigen Straßen durch Dörfer, wie von der Tarantel gestochen – Hunde, Ochsen, Pferde, Schlaglöcher, Überholverbot, doppelte Sperrlinie, Radfahrer, Mopeds, telefonieren, SMS lesen…waren für mich mehrmals ein Gefahrenpotential, dass ich dann irgendwann sagte „Wir habens nicht eilig, du kannst dir ruhig Zeit lassen!“ – Ariel musste lachen und erzählte, dass er die Strecke mindestens 4x pro Woche fährt und ihm noch nie was passiert sei! Naja, für ihn ist Zeit Geld, denn von uns bekam er 50 CUC für die Fahrt und er hat soeben für die gleiche Strecke wieder einen Auftrag bekommen.

Wir waren auch froh von den Cheches weg zu sein – aber die haben uns zur Fahrt nach La Bajada dermaßen malträtiert, dass uns erst jetzt in Pinar ein extremer Juckreiz einholt. Waaaaahhhhh – wir sehen jetzt so aus wie Judy! Zumindest nicht bei den Händen und am Öberkörper, sondern an den Oberschenkeln und Füßen. Morgen fahren wir mit dem Bus nach Cienfuegos und sollte es nicht besser werden, müssen wir wohl einen ansässigen Arzt aufsuchen und dort einen Rat einholen (es wurde besser :-)). Pinar del Rio bietet etwas mehr – zumindest gibt es hier mehr Menschen und somit mehr Geschäfte, in denen man überall meist die gleichen sieben Artikel bekommt – in manchen Geschäften gibt es zwar viel Platz, aber oft ist eine ganze Regalseite mit dem gleichen Artikel vollgestellt. Als wir einmal von einem Geschäft rauskamen, war die ganze Straße so was von mit einer dunklen Wolke vergast, dass wir auf 2 Meter kaum was sahen – etwas später erfuhren wir, dass dies eine Säuberung von Mücken sein sollte – dies machen sie auch manchmal in Wohnungen!? Apropos Mücken: sind wir froh, dass wir zusätzlich zum Zelt unser Moskitonetz mit haben – obwohl jeder CP Vermieter sagt, dass kaum Mücken in der Wohnung sind, wissen wir genau, dass schon durch eine Mücke eine Nacht zum Desaster werden kann – und es waren immer mehr als eine.

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