Very British

Der Mann beim Viazulschalter war sehr hilfsbereit und gut, dass wir schon am Vortag das Ticket nach Cienfuegos buchten. Es kommt jetzt immer öfters vor, dass wir hilfsbereite oder einfach nur freundliche Kubaner treffen. Ich machte mir schon Gedanken, ob dieses System hier die Menschen zu CUC – Zombies mutieren lässt. Die Fahrt im Bus war gut, wir lernten Astrid und Horst kennen, die auch mit dem Bike drei Wochen Kuba erkunden. Sie haben ihre im ersten Anschein nach guten Bikes hier geliehen – zahlten dafür aber auch 20 CUC pro Tag und Bike. Üi, ich bin schon wieder beim Rechnen – ich muss das lassen :-)!

In Cienfuegos blieben wir zwei Nächte – es ist eine schöne Stadt und wir haben uns gut ausgerastet und!!! wir haben unsere Kamera dort reparieren lassen – sie funktioniert jetzt wieder!!!!! – Juhuuuuuu es lebe Roberto, ein Elektromechaniker, der in seiner Wohnung eine kleine Werkstatt hat und unsere Sony wieder zum Laufen brachte:-). Auf dem Weg nach Trinidad trafen wir viele Radwanderer und es ist meistens eine irre Freude, wenn sich Gleichgesinnte treffen. Unter anderem eine Familie aus Kanada, vier aus den USA, wobei hier ein Paar mit einem Tandem unterwegs ist, und Robert aus England.

Mit Robert fuhren wir die nächsten drei Tage und es war ein richtiger Spaß mit einem Engländer, der typisches britisches Englisch spricht und sich wie ein Gentleman verhält: „Sorry, sorry…..so sorry……ooohhhh sorry“ 🙂 hörten wir unzählige Male. So richtig lustig wurde es dann, als wir schon einen guten Übernachtungsplatz am Strand gefunden hatten und nur noch zum nächsten Haus fuhren und fragten, ob sie uns ein paar Bier verkaufen würden. Robert quasselte mit dem Besitzer und nach kurzem rief dieser im südtiroler Dialekt zu uns: „Was, sein do jetzt zwoa Österreicher?“. So lernten wir Karl kennen, ein pensionierter Eisenbahner aus Meran, der heute seinen 74er feierte und uns sofort als Ehrengäste einlud. Das Fest glaub ich, war typisch kubanisch – Spanferkel, Reis mit dunklen Bohnen,… Rum, Bier, Wein,… Musik, Tanz (Hat schon mal jemand an Engländer Salsa tanzen gsehn :-)?) – bis zur späten Stunde wurde gefeiert. Karl baut hier mit seiner Frau Anna-Maria eine kleine Anlage für Touristen, die vor allem in dieser Region Rennrad fahren oder Mountainbiken wollen. Noch viel Arbeit hat er, der Karl, aber es schaut schon ganz gut aus. Trinidad war ganz nett – viel Musik, ein touristisches sauberes Zentrum und gute billige Piña Colada – 1,5 CUC :-). Am nächsten Tag trennten wir uns von Rob, da er nach Santa Clara wollte und wir nach Sancti Spiritus – war a coole Zeit!

Der Gegenwind hat uns schon seit Cienfuegos – es ist so richtig anstrengend, wenn einem 7 Stunden am Bike immer der Wind ins Gesicht bläst und man nicht voran kommt. Wir wollten Silvester eigentlich in Sancti Spiritus verbringen, aber wir waren so groggy, dass wir eine Abzweigung nahmen, um ev. einen guten Rast -oder Übernachtungsplatz zu finden. Vor zwei Hütten war eine gute Wiese und ich ging hinters Haus und fragte mit meinem Notspanisch, ob wir vor dem Haus unser Zelt aufbauen dürfen. Drei Stunden später waren wir als ihre Ehrengäste nach einem typisch kubanischen Festessen mitten in einer wilden Tanzsession, die mit Rum, Minte und Cerveza als Treibstoff dafür, diente. Für uns endete dieser harte Tag um 22:00 Uhr im Zelt! Beinahe halt, denn um 23:50 wurden wir geweckt – nicht wegen Krachern, sondern unsere Gastfamilie wollte uns Ihren Silvester-Mitternachtsbrauch – das Anzünden einer Vogelscheuche, unbedingt zeigen.

In Sancti Spiritus verpassten wir den Bus nach Bayamo ganz knapp und so mussten wir uns hier eine CP suchen. Wir lassen uns meistens mit dem Rad durch die Gassen treiben und suchen uns unsere CP selbst – so kommen wir oft in Randbezirke und sehen so, wie die Kubaner dort leben. Das Fleisch wird meistens an mehreren Stellen an der Straße verkauft – es liegt im Schubkarren, hängt am Baum oder liegt einfach am Tisch – in der prallen Sonne! Wenn das ein europäischer Hygienebeauftragter sehen würde….:-). Viele verschiedene Straßenverkäufer klappern die Straßen ab und Schreien in einer angenehmen, aber speziellen und lauten Stimmlage das Produkt – meist Brot, Gemüse, Knoblauch, Zwiebel aber auch Kräuter oder Süßes – in die Gassen. Es hat fast was Meditatives wenn man ihnen zuhört. Wir läuteten dann mal bei einer CP und schon fast auffällig blitzschnell kam der anscheinende Besitzer und sagt, dass das Haus voll ist – er wisse aber ein anderes von einem Freund…..- der klassische Jinetero Schmäh, die warten oft im Eingangsbereich einer Casa, sagen „ihre“ Casa sei voll, aber ihr Freund hat noch das letzte Zimmer in der Stadt frei – wir suchten lieber alleine weiter, er konnte es nicht glauben und wir haben dann sogar um 15 CUC eins im Zentrum gefunden – jaja, auch die Touris werden gescheiter :-). Obwohl wir uns ja nicht als Touris sehen, sondern als Traveller. Sancti Spiritus ist auch im Zentrum sehr sauber und touristisch. Viele schöne Kolonialbauten, die restauriert wurden, ergeben mit der Fußgängerzone einen besonderen Flair.

Um 12:00 Uhr startet unser Bus am nächsten Tag und dort sind wir, wie empfohlen, eine Stunde früher angekommen – genügend Zeit das hektischen Treiben mit einer gelassenen Distanz zu verfolgen. Hier lernten wir auch zwei Rucksacktouristen aus Memmingen kennen und die hatten einen irren Stress als der Bus mit dem sie mitfahren wollten ohne sie Abfuhr. Nach hektischem Nachfragen und einige „Tranquillio“ (= „Bleib ruhig!“) von den Angestellten saßen sie dann im richtigen Bus bei uns. Sie erzählten uns wie teuer das Land sei…ich musste lachen…ihre CP kosten meist 35 CUC plus 10 CUC Frühstück und sie waren mal einen Wein trinken – pro Glas 5 CUC. Als wir Ihnen unsere Erfahrungen und die Preise erzählen machten sie große Augen – „Geht unbedingt in die Cafeterias da ist alles gut und billig, kostet euch Zwei max. 1 CUC das ganze Desayuno!“ (= Frühstück) – sagte ich noch und merkte dann am Abend in Bayamo in der Magengegend ein Rumoren, was sich am nächsten Tag zu einer anständigen Übelkeit vergrößerte. Alle Sofortmaßnahmen, wie Grappa, Rum, Minzetropfen, Tee halfen nix mehr – die Weiterfahrt mit’n Bike wurde verschoben und am Abend hat es Ulli gestriffen und mich dann so richtig dawuschen. Jetzt sind mal mindestens zwei Tage Pause zusätzlich in Bayamo angesagt.

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