Der Winter ist angekommen

War das heiß (ca. 40 Grad) – der Weg auf den Pass nach Pilon. Es gibt schon lange kein Wasser mehr zu kaufen und mein Magen signalisiert mir immer noch „Pass auf, was du trinkst und isst!“ – ein Wassertankwagen steht am Straßenrand und eine Menschentraube hat sich herum gebildet. Dort holen wir uns auch Wasser und es wurde uns versichert, dass es Agua Potable ist, trotzdem schrauben wir unseren Wasserfilter vor die Flasche.

Endlich, oben am Pass angekommen sahen wir den ersten Rastplatz auf Kuba. Zumindest haben wir das Dach mit der Bank darunter, die aus Stecken zusammengenagelt war, als Rastplatz genutzt. Wir freuten uns, denn die größte Anstrengung liegt hinter uns, die Aussicht ist schön, unser Magen-Darm hat sich anscheinend etwas stabilisiert und jetzt kommt eine superschöne lange Abfahrt auf uns zu.

Schön war es auf dem Weg nach Pilon, und auch der Weg danach direkt an der Küste – großartig, beeindruckend. Karg, nur Fels, Kakteen, trockene Büsche… direkt zwischen Berghang und Meer gehts an Stellen vorbei, wo die Straße zur Hälfte oder ganz weggerissen ist – notdürftig wurden diese Stellen repariert, damit zumindest ein Auto vorbei kommt – solange halt keine größeren Wellen kommen. Immer wieder kommen kleine Weiler, wo auf einfachste Weise Landwirtschaft oder Viehzucht betrieben wird.

Vier Nächte von Bayamo nach Santiago, die wir 2x in CP, 1x im Zelt und 1x Privat verbrachten. Mein Gott, tun die sich schwer! Nicht nur, dass sie auf einfachste Weise leben, sondern auch die Angst vom Nachbarn verpfiffen zu werden, dass man jemandem Unterkunft gibt und ev. dafür was bekommt, was dann nicht versteuert wird. Bei meiner ersten Frage nach einer Unterkunft im Campismo Populare ist Zelten verboten und das Zimmer, das sie uns anboten war so grindig, dass all die anderen, die wir bis jetzt ablehnten Luxus waren. OK – weiter ins Dorf, wo es durch Nachfragen bei einer kleinen Gruppe auf der Straße keine CP gibt! Keiner traute sich uns im Garten aufzunehmen, außer der, der den größten Rausch hatte, forderte uns auf mitzukommen. So ungefähr hab ich ihn verstanden: „Was des is ja koa Problem, es (seine Amigos) seids ja alles Hosenscheißer, kommts mit mit mir, i hab a Haus, da kennts schlafn und i koch euch a no was, des wird euch schmecken, des is ganz was feines, da habts a Superplatzl dann“. Wir gingen mit ihm bis zum Ende des Dorfes mit und er laberte ständig, wie es Betrunkene halt so machen und wir verstanden fast nichts und da fragte ich ihn, wie weit wir noch zu ihm nach Hause hätten – „Ja, so 4 Kilometer“ und des in die falsche Richtung für uns – diese Tatsache, kombiniert mit seinem wankenden Gang und seinem nuscheligen Spanisch veranlasste uns hier einen Stop einzulegen und wir ließen ihn alleine nach Hause ziehen. Gleich beim nächsten Garten gingen wir hinein und fragten um eine Zeltmöglichkeit und schon wieder saßen wir eine Stunde später am Tisch bei Suppe und Banane und Reis mit Rinderschwanz und durften sogar im Haus schlafen. Obwohl die Kubaner vor allem am Land auf niedrigstem Standard leben haben sie immer genügend zum Essen. Auf den Rinderschwanz musste ich dann doch verzichten.

Je näher wir zu Santiago de Cuba kommen, umso öfters wird es abschnittsweise wieder eine Asphaltstraße, bis wir dann am letzten Tag nur mehr Asphalt unter den Reifen hatten – und der war sogar gut. Trotzdem war der letzte Abschnitt nach Santiago sehr schwer. Über 80km pedalten wir und das bei Nordsturm (Palmblätter flogen auf die Straße, Bananenbäume knickten um…) – es ist die alljährliche Kaltfront eingetroffen, die für Santiago Winter bedeutet.

Bei dieser Fahrt kam uns Peter entgegen. Ein Pensionist aus der Schweiz, der seit 20 Jahren Kuba bereist und dies immer wieder auch mit dem Rad. Haben wir uns veblabbert – er hatte so viel über Kuba zu erzählen und konnte unsere Eindrücke nur bestätigen – Kuba verändert sich. Die letzten 10 km voll im Gegenwind nach Santiago waren hart. Jetzt hat es nur mehr 25 Grad und in der Nacht kühlt es schon auf 15 Grad ab – die ziehen sich da richtig warm an, einer hatte sogar Kappe und Handschuhe an (am Tag). Für uns aber Idealtemperatur und so genossen wir Santiago mit seinem besonderen Flair, bei angenehmen Temperaturen – zwei Tage.

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