12 Bananen und 2 Cucurucho

Von den größeren Städten hat mir Santiago bis jetzt am besten gefallen – hier hört man viel Musik und alles ist in Bewegung. Dass die Kubaner gerne tanzen, bekommen wir oft mit, aber hier besonders. Mittlerweile erkennen wir schon die Jineterogestalten, die touristische Plätze belagern, bevor sie uns erkennen. Genau in diesem Moment, wo man glaubt man hat die Situation im Griff, steht plötzlich ein schmutziger, alter Mann in zerschundener, dreckiger Kleidung vor mir und schreit mir ins Gesicht „One Dollar!“. Ich war so perplex, dass er dies ein paar Mal wiederholte und er mir zwischenzeitlich wohl alles an Pazillen rüberschleuderte, was er so auf Lager hatte, bis ich endlich ein lautstarkes „No!“ zurückgab. Half nix, er schrie weiter – kurze Zeit darauf kamen die Blauen und wiesen ihn zurecht. Trotzdem habe ich die Stadt gut in Erinnerung – obwohl wir die zweite Krise unserer Reise durchlebten – mit Einzelheiten verschonen wir euch. Auch die Slums, die wir mit dem Bike auf der Touristenroute zu einer Festung durchquerten, hatten durch die Rauchschwaden und dem Geruch des verbrannten Mülls was Bleibendes.

Die Weiterfahrt nach Baracoa organisierten wir aufgrund des anhaltenden, starken Windes wieder über Viazul. Ab Guantanamo ist die Landschaft wieder trockener und wilder. Die Straße verläuft hier oft direkt neben dem Meer und würden wir nicht ständig den starken Gegenwind in der Vegetation oder im Meer an der verblasenen Gischt erkennen, würden wir sofort aussteigen und mit dem Bike weiterfahren. Die Abzweigung nach Baracoa führte uns über ein schönes Tal, das, je näher wir zum über 500 m hohen Pass gelangten, immer grüner und dichter wurde. Baracoa wurde vor ein paar Monaten von einem Hurrican getroffen und ein extremer richtete schon 2013 enormen Schaden an. Umgeknickte Bäume und je näher wir zum Ort kamen, umso mehr umgeknickte Palmen sind zu sehen und die Palmen, die noch stehen, haben keine oder kurze/frische Palmblätter. Bei den Häusern schauts nicht besser aus: Dächer fehlen, Wände sind notdürftig geflickt, viele Häuser sind auch neu renoviert, manche hatten Glück und sie blieben verschont.

Am nächsten Tag wieder mit dem Bike unterwegs, sahen wir über einen sehr langen Abschnitt noch ganze Landstriche verwüstet. Eine Brücke hat es komplett weggerissen – da wurde eine Notstraße über den Fluss gebaut, die nur bei Niedrigwasser benutzt werden kann. Wie lange wird es wohl dauern, bis die Brücke wieder steht? Schon auf der Carretera Granma sind wir über zwei eingeknickte Brücken gefahren, die schon seit 2005 kaputt sind. Die Straße ist ruppig – kein Asphalt, Löcher, Wellblech…! Es beginnt immer wieder zu regnen – wegen der angenehmen Temperatur fahren wir einfach weiter. Die hohe Luftfeuchtigkeiit lässt die Kleidung nicht mehr trocknen. Hier genießen wir die Abgeschiedenheit und den Blick auf das wilde Meer mit hohen Wellen, deren Gischt immer wieder mit dem Wind zu uns getragen wird. Bei den „Dörfern“ gibt es jetzt auf der Straße Schokolade zu kaufen – hier ist ja e. in bekanntes Kakaogebiet. Das Cucurucho, eine lokale Köstlichkeit mit einer Masse aus geriebener Kokusnuss, Mandeln, Rohrzucker, Honig und Früchten, die sie geschickt in Palmblätter wickeln und eine Form wie ein Cornetto haben, hat es mir besonders angetan. An einem Straßenstand kauften wir mal 12 Bananen und 2 Cucurucho, die wir an Ort und Stelle im Nu verputzten – wir brauchen Energie.

PS.: Beim Spinnenfoto seht ihr noch eine kleine Spinne so wie wir sie von uns zu Hause kennen 😄 – die überraschte mich im Zimmer bei unseren Taschen beim Zusammpacken und flüchtete ins Eck…

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