Brenzlig

Heute erlebten wir die erste richtig prenzlige Situation auf der Straße, ein weißer großer Bus kommt uns mit vollem Karacho entgegen. auf seiner Fahrspur ein Pferdegespann und wir auf der entgegenkommenden Seite. Der Bus musste hart bremsen das linke Vorderrad blockierte, sofort qualmte es und das Heck brach aus…Ui, wir in der Talfahrt – ich trat richtig rein und Ulli wich sofort auf die Ochsenspur aus. Irgendwie schaffte der Busfahrer die von ihm produzierte Schikane zu meistern und brauste mit Volldampf weiter. Wir brauchten eine kurze Pause – sind wir froh, dass nichts passiert ist. Jetzt nach einem Monat sahen wir das erste große überfahrene Tier – es war eine Ziege, die lag noch nicht lang hier und schon machten sich die Geier über den Kadaver her. Entweder arbeiten die Geier (die großen Schwarzen mit dem roten Kopf sieht man im ganzen Land zu Haufen) so schnell oder es werden wenig Tiere überfahren. Letzteres würde mich wundern, denn Tiere laufen genügend auf der Straße herum und die Autofahrer bremsen auch nicht gern – gerade heute ist uns knapp vor einem belebten Ortskern wo sehr viel Verkehr mit Kutschen und Radtaxis war und natürlich auch große und kleine Viecher am Straßenrand herumliefen, ein Auto mit 100 Sachen entgegengekommen. Er zischte einfach in der Mitte durch und machte keine Anstalten langsamer zu werdeen.

In den letzten drei Tagen kam uns nur ein Radwanderpaar entgegen – ich wechselte den Mantel vom Hinterrad, aufgrund von zwei seitlichen Beulen, aufs Vorderrad und genau da fragten uns plötzlich Carmen und Roman ob sie uns helfen können. Supergut haben wir uns unterhalten, dadurch die Zeit übersehen und somit unser Tagesziel knapp nicht mehr erreicht. Das Ratschen und eine Reifenpanne (somit heute 3xReifen gewechselt) genau bei einem Tümpel zur Mückenaktivzeit was beinahe in eine akute Flucht ohne Rad endete, waren wohl der Grund.

Die längste Etappe mit 110 km und 1500 hm führte uns nach Holguín, wo wir zwei Nächte blieben. Eine nette Stadt, die mir aufgrund des Loma (= Hügel) de la Cruz, von dem man eine grandiose Aussicht auf die Stadt und die Umgebung hat, etwas an Lebensqualität vermittelt.

Weiter zu Columbus‘ ersten Anlegestelle in „Neuindien“ vor 525 Jahren nach Gibara. Dort lernten wir Silvia und Klaus aus Linz kennen und da sie schon etwas länger in der Gegnd waren, sagten sie uns, dass es in Guardalavaca um einiges schöner ist und schon teilten wir uns ein Taxi dorthin.

Dort ist es wirklich traumhaft und es war für uns richtig angenehm einen Nachmittag in österreichisch zu plaudern – fein wars. Wir blieben dort noch zwei Nächte, bevor wir unseren richtigen Urlaub in Varadero antreten. Die letzte Bikeetappe von Guardalavaca nach Holguín war noch schön zu fahren und wir trafen ein Holländerpaar, die den ersten Tag ihrer vierwöchigen Radreise bestritten – irgendwie machte es uns traurig zu wissen, dass unsere viermonatige Radtour mit über 5000km langsam zu Ende geht. Die letzten Kilometer begleitete uns wie immer der übliche Verkehr mit den extremen Abgasen – und je näher wir wieder nach Holguín gelangten, umso rücksichtsloser wurden die Autofahrer.

Unser Nachtbus startete erst um 23:30 Uhr und wir waren schon um 16:00 Uhr in der Stadt. Auf der Straße sprach mich dann Sebastian an, der mit seiner Frau Arianne Kuba per Rad bereist. Mit den zwei Kanadiern verging die Zeit wie im Fluge – wenn sich Radbegeisterte treffen…aber auch weil Sebastian super spanisch spricht und sich ein betrunkener Spanier zu uns gesellte – wie einfach ist es hier wenn man die Sprache beherrscht! Die Fahrt im Nachtbus war eine neue Erfahrung – aber wir kamen sicher und pünktlich nach fast 12 Stunden fahrt in Varadero an.

Bei den ersten Metern zu unserer Casa merkten wir, dass Varadero ein Ausnahmeort Kubas ist – keine Löcher in den Straßen, Gehsteige, Geschäfte über Geschäfte, in denen man auch mehr als die üblichen sieben Artikel einkaufen kann. Kilometerlanger weißer Sandstrand mit Palmen und traumhaftem Wasser. Kathi kam auch noch pünktlich zu uns und so steht einer schönen Relaxzeit nichts mehr im Wege.

2 Gedanken zu „Brenzlig&8220;

  1. Freu mich, wenn ihr wieder gesund da seid. Aber ich muss einfach nochmals sagen,
    wie toll ihr schreiben könnt.!!! Super Berichte und Fotos. LG Sylvia

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